28′000 Höhenmeter in 8 Tagen

Geschrieben von lioninside am 20. September 2013 | Abgelegt unter Rennen

Rennbericht IRONBike 2013

Tag 8, kurz nach drei Uhr: Zusammen mit drei Fahrern aus Italien überquere ich die Hauptstrasse bei Mollieres. Hinter uns liegt ein anspruchsvoller Downhill über die planierten Skipisten von Sestriere.
Der Helfer am Strecken-Posten ruft uns laut “Chaberton” zu und zeigt mit seiner Hand auf einen mächtigen Felsbrocken rund 10km vor uns.

3131 Meter ist der markante Berg hoch – und wir befinden uns nach der steinigen Abfahrt gerade mal auf 1’280 Meter über Meer. „Work to be done“ denke ich mir und versuche einen Krampf im Unterarm zu lösen.

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223 Tage vorher füllten mein Bruder und ich die Anmeldung für das IRONBike aus. Das Mountainbike-Rennen gehört laut Veranstalter zu den härtesten Stage Races der Welt und findet bereits zum zwanzigsten Mal statt.

Nach unserer Teilnahme am prestigeträchtigen „Cape Epic“ im 2012 suchten wir eine Steigerung und das IRONBike schien uns diese zu bieten.

Die neun Etappen führten durch das felsige Piemont und waren wahrhaftig unbarmherzig: Bis zu 12 Stunden waren wir pro Tag unterwegs, stiegen zwischen 3′000 – 4′000 Höhenmeter auf und kämpften gegen Regen, Hagel und Hitze. Die Streckenabschnitte waren teils gerade mal 50% “rideable” (fahrbar). Die restlichen Kilometer trugen und schoben wir das Bike auf alpinen Pfaden den Berg hoch – und sehr oft auch wieder runter.

Mein Bruder und ich rutschten vor knapp zwei Jahren mehr durch einen Zufall in die Stage Race- bzw. MTB-Szene. Das Spannende an solchen Rennen ist, dass Körper und Geist gleichermassen gefordert werden. Mit schnellen Beinen kommt man zwar gut den Berg hinauf, spätestens nach drei Tagen reicht das aber nicht mehr aus. Das nasse Zelt am Morgen, die lauwarme Pasta zum Frühstück, die mechanischen Probleme am Bike, die eintönige Energieriegel-Verpflegung, die immer stärker werdende Müdigkeit, nicht-fahrbare Wanderwege und und und – das alles gehört dazu.

Zudem gilt es strikt eine zurechtgelegte Strategie zu verfolgen und die Kräfte akribisch einzuteilen. Wer am ersten Tag schon voll rein rennt, hat wenig Chance Finisher zu werden. Mitunter neben technischen Problemen wohl der häufigste Grund aufzugeben.

Gesund über die Ziellinie zu fahren ist denn auch für uns das oberste Ziel.

Entsprechend lassen wir uns in den ersten Tagen jeweils zurückfallen, versuchen Energie zu sparen und das Material zu schonen. Das ist nicht immer so einfach, da gerade zu Beginn die Beine frisch und die Nervosität im Feld hoch sind.

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Am IRONBike reichte die Strategie leider nicht. Mein Bruder kämpfte mit mächtigen Blutergüssen an den Füssen und musste Mitte Woche aufgeben. Ich fuhr alleine weiter und wurde einen Tag vor Schluss, zusammen mit 23 Ridern, Opfer eines Fehlentscheids des Racedirectors.

Aber auch das gehört dazu. Die Professionalisierung gelang erst einer Handvoll Rennen, was auch Vorteile hat.

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Hier ein paar Antworten auf Fragen, die mir immer mal wieder gestellt werden:

Wir bereitet man sich auf ein solches Race vor?

Wir trainieren rund 10 – 15h pro Woche (wir arbeiten beide 100%). Im Winter mache ich v.a. Indoor-Cycling und gehe ins RVZ Kondi-Training, im Frühling fahre ich längere Touren mit dem Rennvelo und auf dem MTB.

Am Rennen selber ist dann 50% Kopfsache. Wie ich das trainieren kann, habe ich noch nicht herausgefunden.

Wir hält man 12h auf dem Mountainbike aus?

Eigentlich relativ gut. Man muss lernen bzw. akzeptieren, dass man während dieser Zeit verschiedenste Gemütszustände hat. Man fühlt sich am Vormittag beispielsweise während zwei Stunden sehr fit, nach dem Mittag für eine Stunde hundemüde, hat plötzlich Hunger etc. Während 12h kann man unmöglich in Top-Form sein. Nach jedem Tief folgt aber meistens wieder ein Hoch.

Wie ernährt man sich?

Grundsätzlich heisst die Regel: “Immer essen, wenn man essen kann”.

Am IRONBike bestand die Hauptnahrung aus Pasta (am Cape Epic ist das bedeutend abwechslungsreicher). Während des Tages ergänzt man mit bewährten Energieriegeln und ggf. Bananen. Ich brauche mit 7l – 12l Wasser verhältnismässig sehr viel Flüssigkeit.

Was werden für Bikes gefahren?

Das ist sehr unterschiedlich. Mit einem Bike, auf dem man sich wohl fühlt, ist man schon auf dem richtigen Weg. Bei einem Rennen wie dem IRONBike ist ein Carbon Rahmen sicher von Vorteil (wir trugen unsere Alu-Rahmen die Berge hoch). Was sich sicher lohnt ist ein relativ neues Bike zu fahren. Schäden sind sehr, sehr nervig. Zudem fahren wir Tubeless.

Welches ist das nächste Race?

Mein Bruder geht zum zweiten Mal ans JoBerg2c in Südafrika. Ich liebäugle mit dem RAAM.

Die Antwort auf die Aussage „das würde ich nie durchhalten“ lautet übrigens „aber sicher – man muss nur wollen“. Die grösste Schwierigkeit ist sich nach dem Race wieder an die Stadt und den Verkehr zu gewöhnen ;)

Keep it up!

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| 2 Kommentare »

2 Kommentare zu “28′000 Höhenmeter in 8 Tagen


am 13. November 2013 um 10:33 1.Bettina schrieb …

Dies ist ein Test

am 30. Juli 2016 um 09:24 2.MTB-Dirk schrieb …

Moin,
das hört sich echt hart an. Respekt an euch!
Cool wie locker ihr das ganze angegangen seit und interessant das auch viel Kopfsache dazu gehört. Macht weiter so, super!
Gruß

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