Es war einer dieser Tage …
… an denen die Welt mal wieder auf den Kopf gedreht zu sein scheint!
Zum vierten Mal hintereinander treffe ich mich mit einigen Kumpels am heiligen Sonntag, um gemeinsam einige unserer Trails im Bergischen Land zu schredden.
Frühes Aufstehen, getauscht gegen ein nur am Wochenende mögliches Ausschlafen. Früh aufstehen, anstatt den Sonntag ganz gemütlich einzuleiten.
Man kreucht schlaftrunken aus dem Bett, pellt sich aus dem Schlafanzug und lässt sich von heißem Wasser der morgendlichen Dusche mit fest geschlossenen Augen irgendwie wecken.
Erst beim Anziehen der Bikeklamotten und dem Duft von frisch aufgebrühtem Kaffee, beginnen meine Lebensgeister wach zu werden. Während der erste Schluck Kaffee meinen Hals herunter läuft, schießen mir Passagen meines Lieblingstrails durch den Kopf. Augenblicklich entwickel ich eine Aufgeregtheit und im gleichen Moment erscheint es mir wie selbstverständlich, dass ich am Sonntagmorgen, 07.30Uhr meine Biketasche für die heute angedachte Trailtour packe.
Wie gesagt, der heutige Sonntag ist der vierte dieser Art in Folge und bei den drei vergangenen Sonntagen glichen die Trailtouren eher ausgewachsenen Schlammschlachten. “Hoffentlich ist heute der Boden mal etwas trockenerer als in den letzten Wochen”, denke ich mir beim Verladen meines Bikes in den Kofferraum meines Kombis.
“Auf das ganze Geputze, von Bike, Kofferraum, Klamotten und der Garage, was nach den letzten Touren länger gedauert hat, als das Biken selbst, habe ich heute echt keine Lust”.
Na ja, dass habe ich nach der ersten Schlammtour auch gedacht und habe mich diesem Prozedere trotzdem noch zwei weitere Male ausgesetzt. Immer dieser Dreck, schießt es mir durch den Kopf und als meine Süße von oben ruft, “Sei vorsichtig und bestell den anderen schöne Grüße”, überlege ich ganz kurz, ob ich heute nicht doch hier bleibe und einen gemütlichen Sonntag in trauter Zweisamkeit verbringe.
Schon sitze ich im Auto und starte den Motor. Ich rolle los, und versuche mir meine Entscheidung doch wieder Biken zu gehen damit schön zu reden, dass es ja ganze zwei Tage nicht geregnet hat und es heute sicherlich nicht so schlammig ist.
Ich betätige die Scheibenwaschanlage und höre nur die Pumpe des Wischwasserbehälters. Wasser kommt aber keins. “Na toll”, denke ich mir und Versuche zwischen den schmierigen Rückständen auf der Windschutzscheibe irgendwie der Strasse zu folgen.
Unmittelbar am Treffpunkt bei meinen Kumpels angelangt, blicke ich in weiße Gesichter, gespickt mit feinen Rotnuoncen an Nase und Ohren. Meine Kumpels stehen auf dem Parkplatz irgendwie steif und aus den Mündern kommen in unregelmäßigen Abständen weiße Qualmschwaden.
Ich halte an, offene die Türe und Rufe in die versammelte Runde, “Na schon heiß auf den heutigen Trip, Amigos”.
Ne, Arschkalt, stammelt Josh mir entgegen. “Minus 12 Grad, da tut einem das Atmen schon beim stehen weh”, schließt Josh an.
Just in dem Moment erwache ich aus meiner morgendlichen Trance und sehe die mit Raureif überzogenen Wiesen und Bäume. Über Nacht hat es einen Kälteeinbruch der Extraklasse gegeben. Minus 12 Grad, hatten wir schon seit mehr als 10 Jahren nicht mehr.
“Wenigstens brauchen wir uns heute nicht durch den Schlamm zu kämpfen”, versuche ich die allgemein gedrückte Stimmung in der Runde etwas aufzuheitern.
Kaum ausgesprochen, blinzelt die Sonne über den tiefen Nadelwald. Josh rollt langsam los, um die Bikegruppe in Richtung Trail zu führen. “Hast recht Piet, vielleicht ist das ja doch ganz schön heute, auf geht’s”.
Wir rollen also los in Richtung Haustrail und nähern uns dem ersten Anstieg. Es wird steil und ich stehe auf, um im Wiegetritt mein Bike gegen die Schwerkraft den Berg hoch zu scheuchen. Zwei, drei Kurbelumdrehungen später ertönt ein mächtiges Krachen von meinem Antrieb und ich spüre einen stechenden Schmerz im linken Knie, welches bei dem Krachen gegen den Lenker geschlagen ist.
“Mist”, denke ich mir, “verschaltet, bist wieder mit dem nervösen Daumen an den Schalter gekommen”. Ich schalte wieder einen Gang rauf und direkt im Anschluss einen Gang runter, begebe mich erneut in den Wiegetritt, als es nochmals gewaltig kracht. Mein Knie schlägt dabei nochmals exakt an die gleiche Stelle am Lenker, wie beim esten Mal. Mit schmerzverzerrtem Gesicht rufe ich, “So ein Mist”. ” Irgendwas stimmt nicht, ich muss mal anhalten”.
Gesagt, getan hallte ich an, um zu prüfen, ob sich vielleicht ein Ast oder ein Blatt zwischen Kassette und Kette geschmuggelt hat. Josh kommt direkt um mit mir den Antriebsstrang zu prüfen und stellt fest, dass die Zähne meiner Kassette runter sind und sich die Kette sichtbar gelängt hat .
“Das kannste vergessen Piet. Bei den Anstiegen die wir heute noch fahren wollen, wird die Kette bei den abgenutzten Ritzeln permanent springen oder vielleicht reißen”, wirft mir Josh fast mitleidig entgegen. “Na toll Jungs, so hab ich mir den Sonntagstrip eigentlich nicht vorgestellt. Aber fahrt Ihr ruhig weiter, ich werde abbrechen und nach Hause fahren”.
Ich verabschiede mich von den Jungs, die fleißig strampelnd den Berg bezwingen und hinter der nächsten Kurve im Nadelwald verschwinden.
Ich fahre mit geknicktem Haupt nach Hause und grummle vor mich hin beim Gedanken, dass sich das frühe Aufstehen heute ja so richtig gelohnt hat!
Zu Hause angekommen, blickt mir meine Süße erstaunt entgegen. ” Was machst Du denn schon wieder hier?”, schallt es mir entgegen. “Frag nicht, mein Bike ist kaputt”, antworte ich immer noch ein wenig geknickt.
“Wir können ja jetzt was zusammen unternehmen”, versuche ich aus der schlechten Entwicklung diesen Tages doch noch einmal etwas Gutes zu ziehen. “Ne, Sorry. Ich bin mit Lisa verabredete. Wir wollen zusammen in die Stadt fahren, ein wenig Schaufenster bummeln”.
Na super, denke ich mir. Heute ist irgendwie nicht mein Tag.
“O.K., dann gehe ich gleich in die Garage, um nach dem Bike zu sehen”, und drücke dabei den Knopf meiner Espressomaschine, in der Hoffnung, dass wenigstens der Kaffe mir ein wenig bessere Laune einhaucht.
Ein, zwei Espresso später, gehe ich umgezogen für die Reparatur an meinem Bike in die Garage und will gerade das Werkzeug parat legen, als ich mein Bike betrachte und sehe, dass das Spritzwasser der kurzen Tour zu Eiszapfen erstarrt ist. Ein kurzer Blick aufs Thermometer bestätigt meinen Verdacht. Ich der Garage sind es -4 Grad. Die Kurbel lässt sich kaum drehen. Die Kette hat sich mit der Kassette zu einem großen Eisklumpen verbündet. Reparaturarbeiten bei dieser Witterung – quasi unmöglich.
Mit – vorsichtig ausgedrückt – sehr Mäßiger Stimmung, schließe ich die Garagentüre zu und mache es mir auf der Couch bequem, nachdem ich mich erneut umgezogen habe. Ich greife mir ein Mountainbikemagazin, schlage es auf und lande bei einem Bericht mit dem Titel “Biken im Herbst – eine Schlammpackung fürs Bike und für die Seele”.
Wie passend, denke ich mir. Wenn es schlammig wäre, ist es auch warm genug um meine Kassette zu wechseln und ich könnte wenigstens noch ne kleine Runde ums Haus drehen. Aber nein, es muss ja -12 Grad kalt sein. So geht gar nichts, außer auf der Couch zu sitzen und sich ungesund zu ernaehren.
That’s Bike-Life, denn nichts ist so wie es scheint …. Schlamm hin, Schlamm her, lieber ne Schlammpackung beim Biken mit anschließender Putzorgie, als gefrustet auf der Couch zu sitzen, weil es einfach zu kalt für alles ist.

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Tags: Biken Schlammschlacht, Kälte, Schlammpackung, Winterbiken |
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