Es war einer dieser Tage…
… an dem ich permanent den Vorhang in der Küche zur Seite schiebe, in der Hoffnung den Postboten zu erspähen, der mir endlich die bestellte und heißersehnte 900 Lumen Helmlampe liefern soll.
Kurzer Rückblick:
Da die Tage jetzt immer kürzer werden und die Ausritte auf meiner Hausrunde mit meinem All Mountain Plus Bike immer in der Dunkelheit enden, ist meine Euphorie nach der Arbeit den ein oder anderen Trail zu rocken, ein wenig gedämpft.
Gedämpft deshalb, weil es mir beim Biken ja nicht nur darum geht auf dem Bock zu sitzen, um mehr oder weniger, ich will nicht sagen langweilige, aber zumindest eintönige Asphaltrunden zu drehen. Vielmehr geht es mir darum spannende Singletrails zu surfen, dabei meine Fahrtechnik zu verfeinern und mich neuen Herausforderungen zu stellen. Na ja, wie dem auch sei. Fast 3/4 einer Tour in der Dunkelheit zu fahren, ist auf jeden Fall nicht gerade berauschend.
Kurz vor der nächsten geplanten Tour dieser Art und Güte, klingelt mein Handy. Mein Freund Josh meldet sich mit gelassener aber bestimmter Stimme und fragt: „Lust auf einen Nightride“?
„Nightride“, frage ich neugierig. „Was hast Du geplant, schieß los, erzähl“!
Josh erläutert, dass er zufällig einen Kumpel aus frühen Schulzeiten, den Mike, getroffen hat. Mike ist ein alter Bekannter, mit dem wir früher gemeinsam einen großen Teil unserer glorreichen BMX-Zeit verbracht haben und der nun auch zum Biker geworden ist.
Mike macht mit seinen Kumpels eine Region im nahegelegenen “Bergischen Land” unsicher, von der wir schon viel gehört haben, dort aber noch nie gefahren sind.
Augenblicklich durchströmt mich ein Gefühl von Aufregung und Abenteuerlust, gepaart mit einem Tick Kribbeln in der Magengegend. Vor allem der Gedanke bei Nacht zu Biken, macht mich ein wenig nervös.
„Cool“, antworte ich. „Wann und wo soll der Nightride stattfinden“, frage ich Josh.
„Morgen Abend auf der Hausrunde vom Mike”. “Er will gemeinsam mit seinen Kumpels und uns den “Conquest of Paradise-Trail”, seinen absoluten Lieblings-Flow-Trail rocken“. „Teilweise extrem bergig, mit 1/2 stündigen Anstiegen im kleinsten Gang, dafür aber auch mit belohnenden Sahneabfahrten zum Zunge schnalzen“, berichtet Josh voller Begeisterung.
Seine Stimmlage verändert sich während des Satzes merklich. Die Gelassenheit weicht und er beginnt immer schneller zu erzählen. Man merkt, dass Josh ebenso aufgeregt zu sein scheint wie ich, denn einen Nightride ist auch Josh noch nie gefahren.
Gesagt, getan. Einen Abend später stehen wir am besagten Treffpunkt im “Bergischen Land” und warten auf Mike und seine Kumpels.
Bis auf den Helm fertig angezogen, checken wir unsere Bikes. Die Bremsen, den Luftdruck der Nobby´s und die Schaltung. Ach ja, auch unsere am Lenker montierten Radlampen werden nochmals auf festen Sitz und ausreichende Akku-Power geprüft.


Alles passt und wir sind “ready to race”, als Mike mit seinem Bike angerollt kommt. Nach kurzer Begrüßung und einigem Philosophieren über vergangene, im Hirn eingebrannte Storys aus den guten alten BMX-Zeiten, rollen wir los.
„Habt Ihr keine Helmlampen“, fragt Mike mit fast überraschter Stimme. Kurz aufeinander folgend, erläutern Josh und ich die Qualität unserer Bike-Lenkerlampen, ein wenig um zu rechtfertigen, dass wir noch keine Helmlampen haben.
„Die Lenkerlampen sind im Prinzip O.K.“, knüpft Mike an. “Nur bei Spitzkehren oder Gaps vor Jumps und Anliegern, wo quasi die direkte Line beleuchtet werden muss, wird’s wahrscheinlich etwas kniffelig”. “Da werdet Ihr nicht viel sehen”, erläutert Mike weiter.
Kaum ausgesprochen ist der erste Hammeranstieg zur Einfahrt in den “Conquest of Paradise-Trail” auch schon bezwungen. Der Anstieg war so heftig, dass ich zu Mike´s Erläuterungen aufgrund akutem Sauerstoffmangel keine Antwort geben kann.
Mike fährt voraus, nimmt stetig an Speed zu, lässt den Sattel per Remotehebel an seiner KS-Stütze ab und biegt mit einem ausgedehnten Manuel halbrechts in einen Wald ab. Ein Singeltrail allererster Güte erwartet uns, was Mike mit einem nicht überhörbaren „Jiiipppiiieeehh“, untermauert.
Wir fliegen hinter Mike den Trail hinab und surfen in schnellen Wechseln zwischen Manuels und tiefen Schräglagen durch perfekt angelegte Anlieger und mit Wasser gefüllte Senken, um dann wieder mit waghalsigen Bunny Hop´s über zahlreiche den Trail querende Baumstämme zu jagen: THAT´S FLOW!!!!




Es ist noch nicht ganz dunkel, so dass wir während des Anstieges auf freiem Feld, die Lampen noch ausgeschaltet lassen konnten. Im Wald sah das aber schon anders aus. Es ist schlagartig so dunkel, dass ich Mühe habe an Josh dranzubleiben, der direkt vor mir in ca. 5-10m Abstand den Trail hinter Mike her rast.
Mein Puls schnellt in die Höhe, mein Herz pochert wie vor einer Führerscheinprüfung und Schweißperlen rinnen meine Stirn hinab.
Nicht nur der unglaubliche Speed auf diesem Hammer-Flowtrail, sondern auch die Tatsache, dass ich den Trail überhaupt nicht kenne und zudem fast nichts mehr sehe, lassen mein Herz rasen.
Gerade denke ich daran den Anker zu werfen indem ich leidvoll nach dem Mike schreie, um anzuhalten und vielleicht doch schon die Lampen anzuschalten, als ich plötzlich, wie aus dem Nichts, Josh und Mike vor mir erblicke, die bereits angehalten haben.
Ich reiße an den Hebeln meiner Saint und zwinge die vier Kolben der Bremssättel mit aller Gewalt die 203er Scheiben in die Mangel zu nehmen. Kurz vor um komme ich zum stehen und blicke in die etwas verdutzten Gesichter von Josh und Mike.
„Gut dass wir angehalten haben“, durchbrechen die Worte von Mike die kurze Phase der absoluten Stille. „Wir sollten jetzt mal die Lampen anmachen, denn im folgenden Abschnitt des Trails brauchen wir die bestimmt“.
Ich bin sehr gespannt was bei diesem Sahne-Trail jetzt auf uns zukommt und bin heilfroh meine Bike-Lampe endlich zu aktivieren!
Stolz knipse ich meine 40Lux Lenkerlampe an. Josh tut es mir gleich und Mike fummelt an einem Kabel, was aus dem Deuter Bike-Rucksack baumelt und führt dies mittels eines Klinkersteckers an ein Anschlusskabel am Helm. Ein kurzer “Klick” auf der Rückseite der Helmlampe und im gleichen Augenblick, wird aus der dunklen Nacht, heller Tag.
Na ja, vielleicht nicht ganz so extrem, aber der Platz an dem wir stehen ist wirklich außergewöhnlich hell.
„900Lumen“, spricht Mike in unsere Richtung und rollt den jetzt lichtgefluteten Trail weiter hinab. Mit offenen Mündern folgen wir dem Lichtkegel von Mike.
Man sieht wirklich von beachtlicher Entfernung die Spur vom Mike. Meine Bikelampe strahlt hingegen tatsächlich nur das Hinterrad von Josh an. Die ständig wechselnde Fahrtrichtung durch Anlieger und Spitzkehren sind für mich und auch für Josh nur mit heftiger Geschwindigkeitsreduzierung fahrbar. Spitzkehren sind fast nur im „Eiermodus“ zu bezwingen, da meine Lampe zwar in den Wald strahlt aber nicht den zu befahrenden Trail. Ich sehe quasi nichts und taste mich in jede langsame Kehre hinein. Die Lampe leuchtet halt nur dorthin, wo man hin lenkt.
„Krass“ denke ich mir. „Alleine im Wald, kannst du den Trail ohne Helmlampe vergessen“. Perfekt wäre eine Kombi aus Helm- und Lenkerlampe, um den Trail optimal auszuleuchten!
Nach einigen über Chickenways zu umfahrene Jumps auf diesem ansonsten göttlichen Trail, spuckt uns der Wald dann unten wieder aus. Ehrlich gesagt bin ich froh ohne Sturz angekommen zu sein.
„Den Trail müssen wir unbedingt nochmal im Hellen fahren“, werfe ich meine Begeisterung über den Ritt in die Runde.
„Oder mit Helmlampe nochmals abends“, schießt Josh nach. Alle sind sich einig, dass dies nach einer Wiederholung schreit!
Wir bedanken uns bei Mike für diesen tollen Nightride, der für mich aber mehr ein Nightthrill war, plauderten noch etwas und haben uns für einen Tagesritt verabredet.
Im Auto auf dem Weg nach Hause, haben Josh und ich alle Einzelheiten unseres ersten Nightrides bis ins Detail analysiert und einstimmig beschlossen, dass wir Nightrides unbedingt nochmals in Angriff nehmen und dafür zwingend so schnell wie möglich eine Helmlampe her muss.
Wieder in der Gegenwart angekommen, die Hand noch am Vorhang, klingelt es und der Postbote steht mit einem großen Paket am Tor. “Jetzt kann es ruhig dunkel werden”, denke ich mir und hechel dem Postboten mit großen Erwartungen entgegen.



That´s Bike-Life, denn nichts ist so wie es scheint … Unmut weicht der Abenteuerlust, mit Bikelampe wird die dunkle Jahreszeit zur neuen Herausforderung!
Ride On!

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Tags: Nightride Nightthrill Helmlampe Bikelampe Lumen Lux Abenteuer Herausforderung | Keine Kommentare »